Liebes Tagebuch…
- Nadia Mullis
- 4. Okt. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Kannst du dich daran erinnern, wann du das letzte Mal in dein Tagebuch geschrieben hast? Oder daran, wenn du das letzte Mal einen Tagebucheintrag gelesen hast? Vielleicht hast du dich dabei über bestimmte Einträge gewundert und dich über dein Ich der damaligen Zeit amüsiert. Tagbücher sind eine wunderbare Sache! Und das nicht nur, weil sie zu unserer Unterhaltung dienen.
In vielen Fällen ist das Tagebuch ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Ernährungsberatung. Um eine gezielte Verhaltensänderung vorzunehmen ist es unerlässlich, den Ist-Zustand zu kennen. Das betrifft nicht nur die Essensgewohnheiten, sondern auch allfällige Symptome. Eine Möglichkeit, um den Ist-Zustand festzuhalten besteht darin, ein Ernährungs- und Symptomprotokoll zu schreiben. Das ist nichts anderes als ein Tagebuch, das in strukturierter Form geführt wird und seinen Fokus auf die Ernährung und allfällige Symptome richtet. Das so entstehende Bild des Ist-Zustands kann die Grundlage einer gezielten Ernährungsumstellung sein.
Das Ernährungs- und Symptomprotokoll ist Teil einer einfachen Logik: Es verbalisiert den Ist-Zustand und steht somit gegenüber des Soll-Zustandes, welcher dem zusammen definierten Beratungsziel entspricht. Bei der angestrebten Verhaltensänderung handelt es sich um den zwischen Ist- und Soll-Zustand liegenden Weg. Was in der Theorie einfach klingt, bringt in der Praxis einige Herausforderungen mit sich. Der Nutzen jedes Ernährungs- und Symptomprotokolls hängt nämlich massgeblich davon ab, wie stark dieses den Fakten entspricht. Widerspiegelt das Ernährungstagebuch nicht die Tatsachen, erweist es der Beratung einen Bärendienst. Es dient in vermeintlich guter Absicht als Beratungsgrundlage, leitet jedoch aufgrund der Fehlerhaftigkeit in die Irre.
Doch warum ist es so herausfordernd, ein Ernährungstagebuch zu schreiben? Das liegt daran, dass die Angaben so genau wie möglich sein sollten. Denn unter Ausdrücken wie «ein bisschen», «etwas», «wenig», «eine mittelgrosse Portion», etc. versteht jeder etwas anderes. Darum sind genaue Mengenangeben unerlässlich. Dies betrifft insbesondere auch die Zwischenmahlzeiten und Getränke. Da erst ein mehrere Tage überdauerndes Protokoll eine Aussage zu den Ernährungsgewohnheiten macht, sollte mindestens während einer halben Woche Tagebuch geführt werden. Dies ist aufwändig und kann als anstrengend empfunden werden – entsprechend erfordert das Führen eines Ernährungs- und Symptomprotokolls ein hohes Mass an Ausdauer und Gewissenhaftigkeit.
Das Gute daran ist, dass es sich lohnt, drei bis vier Tage durchzuhalten. Sind alle Mahlzeiten, Zwischenmahlzeiten, Getränke und auch die Symptome mit Uhrzeit und genauen Mengenangaben protokolliert, kann auf dieser Basis eine gezielte und schrittweise Anpassung der Gewohnheiten erfolgen. Der erste Schritt auf dem Weg zur angestrebten Ernährungsform ist dann bereits gegangen und das Ziel liegt schon ein gutes Stück näher. Auch das Auftreten von Symptomen kann unter Umständen anhand des Ernährungstagebuchs schnell vermindert werden. So sind ernährungsbedingte Ursachen von Beschwerden im Protokoll oftmals gut ersichtlich und können sofort eliminiert werden.
Zugegebenermassen macht das Führen eines Ernährungs- und Symptomtagebuchs weniger Spass als die Beschäftigung mit einem klassischen Tagebuch. Dennoch sind Parallelen erkennbar: Jedes Tagebuch hilft uns, uns zu reflektieren und das Bewusstsein für unser Erleben und Verhalten zu stärken. Und wenn man bedenkt, wie wirkmächtig ein gewissenhaft geführtes Ernährungs- und Symptomtagebuch ist, dann rückt der Aufwand es zu führen plötzlich in den Hintergrund.

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